Tierliebe mit Vernunft

Gesundheitscheck bei Importhunden besonders wichtig


Viele Tierfreunde möchten mit der Anschaffung eines vierbeinigen Familienmitgliedes zugleich etwas Gutes tun und beschließen daher, einen Hund aus dem Tierheim bei sich aufzunehmen. Nicht selten fällt die Wahl dabei auch auf einen sogenannten „Importhund“.

Dabei handelt es sich um herrenlose Hunde, die oft aus einem süd- oder südosteuropäischen Land wie Italien, Spanien und Griechenland stammen. Diese Tiere haben meist den größten Teil ihres Lebens als Straßenhunde verbracht und haben daher eine ausgeprägtes Rudel- und Jagdverhalten. Da es sich aber in der Regel um junge Tiere handelt, kann eine liebevolle Pflege und konsequente Erziehung viel bewirken.

Was jedoch nicht zu unterschätzen ist, ist das Risiko einer schweren Infektion, das bei diesen Tieren höher ist als bei gepflegten Haustieren. So können sie auch Krankheiten aufweisen, die bei uns selten, aber in südlichen Ländern stark verbreitet sind. Dazu gehören z. B. die von Zecken übertragene Anaplasmose, Ehrlichiose und Babesiose oder, in vielen Fällen, die von Sandmücken übertragene Leishmaniose. Da die Erkrankungen häufig zunächst völlig unauffällig und augenscheinlich ohne gesundheitliche Beschwerden verlaufen, ist hier besondere Vorsicht geboten.

So ist die Leishmaniose eine z. T. schwerwiegend verlaufende Erkrankung, mit deren Erreger in manchen Urlaubsgebieten bis zu 70 Prozent aller Hunde infiziert sind. Um eine Ausbreitung in bzw. eine Verschleppung von entsprechenden Erregern nach Deutschland und damit eine Übertragung auf andere Tiere (oder gar den Menschen!) zu verhindern, sollten Tierhalter, die sich für die Aufnahme eines Importhundes entscheiden, entsprechenden Gesundheitsfragen besondere Aufmerksamkeit schenken.

Falls Sie sich für einen Hund entscheiden, der bereits nach Deutschland überführt wurde, ist es wichtig, sich über mögliche Vorerkrankungen zu informieren. Lassen Sie sich die entsprechenden Unterlagen zeigen, noch bevor Sie das Tier mit nach Hause nehmen.

WICHTIG: Bestehen Sie auf einer Dokumentation über durchgeführte Tests, wie etwa einen Leishmaniose-Test! Ein Verweis darauf, dass das Tier z. B. „alle gängigen Impfungen“ erhalten hat, ist allein nicht ausreichend. Die neuerdings verfügbare Leishmaniose-Impfung gehört bspw. nicht zum gängigen Impfpaket wie etwa eine Tollwut-Impfung – auch nicht in den Herkunftsländern. Sollte ein Test auf Leishmaniose positiv ausfallen, muss man sich über die gesundheitlichen Folgen und auch die in der Folge entstehenden Behandlungskosten für das betroffene Tier klar werden. Ein negativer Test sagt demgegenüber lediglich aus, dass der Hund keine Antikörper gebildet hat. Eine Infektion kann aber auch ohne die Bildung von Antikörpern vorliegen. Besprechen Sie sich am besten mit einem Tierarzt das Für und Wider einer Anschaffung bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Ihre Anne Posthoff

unterschrift_posthoff

Mai/Juli 2014


Dr. Anne Posthoff ist Fachtierärztin für Klein- und Heimtiere. Die niedergelassene Tierärztin betreibt seit 28 Jahren eine eigene Tierarzt-Praxis in der Nähe von Stuttgart. Buchautorin Dr. Posthoff ist zudem Redakteurin der Zeitschrift "KleintierMEDIZIN", die sich mit praxisrelevanten Fragen der Kleintierbehandlung befasst.


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