Wie hoch ist das Risiko eines Wurmbefalls?



Jeder Vierbeiner ist ein Individuum, auch was sein individuelles Risiko anbetrifft, sich mit Würmern zu infizieren. Wie häufig Hund oder Katze entwurmt werden sollten, hängt daher von vielen verschiedenen Faktoren wie Alter, Ernährung und Haltung eines jeweiligen Tieres ab.

Je höher das Risiko ist, desto häufiger sollten Kotuntersuchungen gemacht oder Entwurmungen durchgeführt werden. Für eine deutliche Reduzierung des Risikos sollte ein zeitlicher Abstand von drei Monaten zwischen den Maßnahmen nicht überschritten werden. Denn Studien haben gezeigt, dass beispielsweise ein bis drei Entwurmungen pro Jahr keinen ausreichenden Schutz hinsichtlich der Eiausscheidung befallener Tiere bieten.

Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Wurmbefalls erhöhen können:

  1. Auslauf und Aufsicht: Ansteckende Wurmeier (oder Larven) befinden sich nahezu überall in der Umwelt unserer Vierbeiner. Beim Gassigehen oder während eines unbeaufsichtigten Auslaufs erhöht sich demnach die Wahrscheinlichkeit für einen Kontakt und damit auch das Risiko für eine Ansteckung mit Würmern. Unbemerkt könnte das Tier beispielsweise Wurmeier im Kot von Artgenossen fressen. Insbesondere beliebte Hundeausläufe spielen hierbei eine große Rolle. Durch den Verzehr von Schnecken können sich Hunde auch mit den Larven des Lungenwurms infizieren.
  2. Kontakt zu Artgenossen: Mehrere Tiere im Haushalt oder der Kontakt zu anderen, verwurmten Artgenossen erhöhen ebenso das Risiko. Denn jedes infizierte Tier kann grundsätzlich als Quelle für eine Ansteckung mit Parasiten dienen. Das Risiko steigt demnach auch bei Aufenthalten in Tierpensionen, -heimen und -ausstellungen. Hier sollte der Halter den Schutz des eigenen Tiers im Blick haben. Gleichzeitig hat er dafür Sorge zu tragen, dass der eigene Vierbeiner selbst keine Wurmeier ausscheidet und damit wiederum andere Tiere gefährdet.
  3. Jagd- und Beutetiere: Wild lebende Tiere können beispielsweise bestimmten Bandwürmern als Zwischenwirte dienen. Daher steigt das Risiko für einen Befall z. B. bei Katzen mit der Mäusejagd bzw. bei Jagdhunden mit dem Wildkontakt oder dem Fressen von Aas.
  4. Reisen oder Import: Für Hunde, die aus dem Ausland kommen oder mit ihren Haltern dorthin verreisen, gibt es je nach Region zusätzliche Risiken. In südlichen Ländern besteht z. B. die Gefahr einer Infektion mit Herzwürmern oder Hautwürmern.
  5. Ernährung: Ein erhöhtes Risiko für einen Bandwurmbefall besteht, wenn rohes Fleisch (insbesondere Innereien wie Leber und Lunge) verfüttert wird, das zuvor nicht ausreichend erhitzt (10 min, Kerntemperatur 65° C) oder gefroren (1 Woche bei -17° bis -20° C) wurde.
  6. Welpen und Muttertiere: Da Larven von Spulwürmern schon über die Muttermilch übertragen werden, benötigen Hunde- und Katzenwelpen und umgekehrt deren Muttertiere besonderen Schutz. Bei Hunden ist eine Übertragung von Spulwürmern sogar schon im Mutterleib möglich.

Leider gibt es keine vorbeugende Möglichkeit, um die Ansteckung eines Vierbeiners mit Würmern zu verhindern. Nicht einmal für Hauskatzen, die nur in der Wohnung leben, lässt sich ein Risiko gänzlich ausschließen. Infektiöse Spulwurmeier können nämlich aus dem Freien auch in die Wohnungen eingetragen werden. Bei Katzen reichen daher die Expertenempfehlungen von ein bis zwei jährlich stattfindenden Kotuntersuchungen bzw. Wurmkuren für reine Hauskatzen bis hin zum monatlichen Intervall für Freigängerkatzen. Für Hunde werden Maßnahmen im Abstand von drei Monaten empfohlen. Ratsam ist eine monatliche Entwurmung bei Tieren mit sehr hohem Infektionsrisiko. Dies gilt für Hunde, die ohne Aufsicht freien Auslauf und Kontakt zu anderen Artgenossen haben, zur Jagd genutzt werden oder gerne Beutetiere fressen. Monatliche Abstände sind auch dann zu empfehlen, wenn Kleinkinder, ältere, immungeschwächte oder chronisch erkrankte Personen im Haushalt mit dem Tier in engem Kontakt leben.

Jeder Tierhalter ist frei, für sich und sein Tier selbst über Maßnahmen gegen Würmer zu entscheiden. Mein Rat an alle Tierhalter ist jedoch, die Entscheidung zur Wurmbekämpfung durchdacht, risikobewusst, gemeinsam mit dem Tierarzt abgestimmt und nicht „aus dem Bauch heraus“ zu fällen.

Ihr Dieter Barutzki

Dezember 2014


PD Dr. Dr. Dieter Barutzki ist Leiter des Tierärztlichen Labors Freiburg und lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). In der Fachwelt ist er als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen zur Verbreitung, Diagnose und Bekämpfung von Parasiten bei Haus-, Nutz- und Wildtieren bekannt.


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