Zecken

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Wohl jeder Hunde- und Katzenbesitzer hat schon einmal Zecken auf seinem Vierbeiner entdeckt oder sogar am eigenen Leib Bekanntschaft mit Ihnen gemacht. Galten sie früher als lästige Schmarotzer, so werden sie heute als „die gefährlichsten Tiere in Deutschland" bezeichnet. Schuld daran sind nicht die Zecken selber, sondern die Krankheitserreger, die sie hauptsächlich beim Blutsaugen übertragen können und zwar mehr unterschiedliche Erreger als jede andere Parasitenart. Bisweilen entzünden sich auch die Stellen, wo Zecken Blut gesaugt haben, weil Bakterien in die offene Wunde eindringen.

Weiblicher Gemeiner Holzbock
(vergrößert dargestellt)

Die durch Zecken übertragenen Krankheitserreger können sowohl Hund als auch Katze gefährlich werden, und in manchen Fällen erkranken auch Menschen an den Infektionen. In vielen Fällen übertragen Zecken die Infektionserreger auf ihre Nachkommen.

Zecken sind keine Insekten, sondern gehören zu den Spinnentieren, wie man anhand ihrer 8 Beine (im erwachsenen Stadium) erkennen kann. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge rund 800 verschiedene Zeckenarten, von denen etwa 19 in Deutschland heimisch sind. Die drei insbesondere für Hunde und Katzen wichtigsten Arten in Europa sind der Gemeine Holzbock, die Auwaldzecke (auch Buntzecke) und die Braune Hundezecke, die allesamt zur Gruppe der Schildzecken gehören.

Vorkommen

Im Allgemeinen bevorzugen Zecken schattige und feuchte Orte. Trockenheit dagegen meiden sie ebenso, wie große Hitze und direkte Sonneneinstrahlung. Sie finden sich in freier Natur vor allem auf naturbelassenen Wiesen, in Sträuchern an Wegesrändern, in Natur- und Stadtparks, im Unterholz von Waldgebieten und oft auch in Feuchtgebieten nahe Gewässern. Daher haben Zecken im Zuge der Rekultivierung von Landschaften und der Einrichtung von Naturschutzgebieten viele neue Siedungsplätze gefunden. Die Vermehrung der Wildtiere in den letzten Jahren hat den Zecken zudem ein reiches Nahrungsangebot beschert.

Zecken leben in Bodennähe, maximal in etwa 1 Meter Höhe. Entgegen einem verbreiteten Vorurteil fallen Zecken nicht von Bäumen!

Aktivität

Die verschiedenen Zeckenarten sind in unterschiedlichen Temperaturbereichen aktiv. Für unsere heimischen Arten, die an ein mäßig-warmes Klima mit Jahreszeiten gewöhnt sind, gilt die Faustregel, dass sie etwa ab 7°C Außentemperatur aktiv werden.

Da vielen Zeckenarten Temperatur von bis zu minus 10°C in der Regel gut überstehen, waren die milden Winter der letzten Jahre für sie ausgesprochen vorteilhaft: Weniger dieser Parasiten sind in der Winterzeit erfroren und durch die allgemein gestiegenen Temperaturen waren die Parasiten früher und über eine längere Zeit im Jahr aktiv. Im extrem milden Winter 2006/07 wurde daher bis in den November hinein und wieder ab Februar eine Zeckenaktivität registriert. Sind wie Witterungsverhältnisse günstig, können Zecken aber auch schon im Januar auf Wirtssuche gehen. Diese Tendenzen dürften sich in den nächsten Jahren mit Fortschreiten des Klimawandels sogar noch weiter verstärken.

Bekämpfung und Vorbeugung

Die Zecken in freier Natur, in ihrem direkten Lebensraum effektiv und nebenwirkungsfrei zu bekämpfen ist nicht möglich. Daher obliegt es jedem Einzelnen, sich und sein Haustier vor den Parasiten bestmöglich zu schützen. Durch das Tragen heller Kleidung, die Arme und Beine vollständig bedeckt, können wir Menschen das Risiko eines Zeckenangriffs vermindern. Trotzdem sollte man Zeckengebiete meiden und sich nach einem Waldspaziergang sorgfältig absuchen.

Für Hund und Katze wurden spezielle antiparasitäre Mittel wie Lösungen zum Auftropfen oder Halsbänder entwickelt, die Zeckenangriffen vorbeugen können. Das Absuchen nach dem Spaziergang und anschließend gründliche Entfernen von Zecken ist aber auch bei den Vierbeinern unverzichtbar.

Lebensweise und Entwicklungszyklus

Zecken sind sehr langlebig und wahre Hungerkünstler. Sie können wenigstens monatelang auf ein passendes Opfer warten. Bis sie Eier legen, beträgt die Lebensspanne ausgewachsener Zeckenweibchen gewöhnlich 3 bis 5 Jahre.

Grundsätzlich gilt, dass eine Zecke nicht nur saugt, um sich zu ernähren, sondern auch, um eine neue Entwicklungsstufe zu erreichen:

Aus den Eiern schlüpfen die Larven, die sechs Beine besitzen und mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Für ihre Blutmahlzeit suchen sie sich kleine Nagetiere. Waren sie erfolgreich, dauert es einige Monate, bis sie sich zu den so genannten Nymphen häuten. Diese besitzen acht Beine, klettern höher als Larven und befallen größere Säugetiere wie Katzen oder Füchse, gelegentlich aber auch den Menschen. Auch Zeckennymphen sind noch so klein, dass man ein festgebissenes Tier kaum von einem Muttermal unterscheiden kann, sondern es eher an der winzigen Erhebung spürt. Bei Tieren mit dichtem Fell ist es fast unmöglich, Nymphen zu identifizieren. Auch Nymphen müssen nur einmal erfolgreich Blut saugen, um sich in das letzte Stadium, die ausgewachsene (adulte) und geschlechtsreife Zecke, zu verwandeln. Adulte Zecken sind etwa stecknadelkopfgroß, wobei die Weibchen deutlich größer sind. Für gewöhnlich erreichen Zecken eine maximale Größe von 30 Millimeter und ein Gewicht von bis zu 4 Gramm. Je nach Zeckenart paaren sich Männchen und Weibchen während des Blutsaugens oder danach. Adulte Zecken suchen sich große Säugetiere wie Hunde, Rotwild oder auch den Menschen. Ein vollgesogenes und befruchtetes Weibchen lässt sich nach der bis zu 2 Wochen andauernden Blutmahlzeit vom Wirt auf den Boden fallen und beginnt sofort mit der Eiablage. Dabei legt produziert sie etwa 3000-5000 Eier, die – je nach Art – entweder einzeln oder in ganzen Gelegen, abgelegt werden. Die männlichen Zecken sterben nach der Begattung, die Weibchen erst nach der Eiablage.

Stimmen Temperatur- und Witterungsbedingungen und sind immer genügend Wirtstiere in unmittelbarer Nähe vorhanden, kann eine Zecke ihren kompletten Entwicklungszyklus in wenigen Monaten abschließen. Unter normalen mitteleuropäischen Bedingungen kann dies aber auch bis zu 6 Jahre dauern und sich überdies je nach Zeckenart unterscheiden. Die Bedingungen für Zecken sind optimal, wenn die Temperatur zwischen 17 und 20°C beträgt und die relative Luftfeuchtigkeit nicht unter 80 Prozent sinkt, aber auch nicht über 95 Prozent ansteigt. Als Faustformel lässt sich sagen, dass je wärmer es ist, die Verwandlungen der Zecke schneller stattfindet. Eine Klimaerwärmung kann also auch dazu führen, dass Zecken sich schneller vermehren.

Wie gelangen Zecken an ihr Blut?

Zecken besitzen sie ein äußerst empfindliches Riechorgan am vordersten Beinpaar (Hallersches Riechorgan). Mit ihm identifizieren sie Schweiß- und andere Geruchsstoffe sowie das Kohlendioxid in der Atemluft eines geeigneten Säugetieres. Auch hormonelle Mechanismen scheinen hier eine Rolle zu spielen. Wie genau Zecken ihre potentiellen Opfer wahrnehmen, ist allerdings noch Gegenstand aktueller Forschung. Allerdings scheinen sie dabei erstaunlich wählerisch zu sein. Sie reagieren z. B. nicht auf Blutstropfen, die ihnen angeboten werden. Streift ein Beutetier die Zecke, so hält sich der Parasit blitzschnell mit seinen Beinen fest und vergräbt sich unter das Fell.

Entzündeter Zeckenstich am Bein

Einmal auf dem Tier angelangt, wandert die Zecke über die Haut und sucht sich eine möglichst unbehaarte, weiche und gut durchblutete Stelle. Auch wenn sie theoretisch überall Blut-saugen können, stechen Zecken aus diesem Grund häufig an eher typischen Stellen des Kopfes (z. B. Lippen, Augenlidern, hinter den Ohren), Hals, in Kniefalten oder auch zwischen den Zehen. Mit ihren scherenartigen Beißwerkzeugen schneidet sie die Oberhaut auf und sondern gleichzeitig ein Sekret ab, dass eine Blutgerinnung verhindert und die Wunde betäubt, so dass die Verletzung nicht bemerkt wird. Trotzdem kommt es oft zu starkem Juckreiz. Mit einem Stechrüssel öffnet sie die Blutgefäße und saugt das hervorquellende Blut. Obwohl man immer von einem Zeckenbiss spricht, ist es daher eigentlich ein Zeckenstich. Um dabei nicht den Halt zu verlieren, befestigen sie ihren Stechapparat mit einem zementartigen Klebstoff in der Wunde.

Ausgewachsene weibliche Zecken können mehrere Milliliter Blut aufnehmen und ihr eigenes Gewicht so um das bis zu 120-fache erhöhen. Auch der Zeckenkörper dehnt sich dabei, und adulte vollgesogene Tiere sind bis zu 3 Zentimeter lang. Für den gesamten Saugvorgang benötigen sie oft mehrere Tage. Dabei filtert der Parasit die nahrhaften Bestandteile aus dem Blut und gibt die ungenutzte Flüssigkeit wieder in den Wirt zurück. Auf diese Weise gelangen Krankheitserreger, die sich in der Zecke befinden, in den Körper ihres Opfers. Im Anschluss fallen die Zecken ab.


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