Schwül und warm = Zeckenalarm!

Schwül und warm = Zeckenalarm!

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Sind Zecken in Deutschland tatsächlich nur ein saisonales Problem? Welchen Einfluss haben Witterung und Klima darauf, dass die lästigen Spinnentiere zu bestimmten Zeiten besonders häufig auftreten? Diesen Fragen auf den Grund zu gehen war das Ziel einer Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Wissenschaftler der Abteilung für „Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie“ sammelten Zecken in verschiedenen Bundesländern Süddeutschlands. Mithilfe der sog. „Flaggen-Methode“, bei der ein weißes Tuch über die Vegetation gezogen wird und indem sich Zecken verfangen, wurden über 14.000 Zecken gesammelt. Auf diese Weise konnten die Forscher herausfinden, welche Zeckenarten unter welchen Witterungsbedingungen in der Region besonders häufig auftreten.

Zecken in Deutschland

Im deutschsprachigen Raum sind Zecken der Gattung Ixodes weit verbreitet. Zu ihnen gehören der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), die Igelzecke (Ixodes hexagonus) und die Fuchs- oder Hundezecke (Ixodes canisuga). Daneben sind insbesondere in verschiedenen Regionen Süd- und Ostdeutschlands Bunt- oder Auwaldzecken (Dermacentor reticulatus) stark verbreitet.

Hunde werden in Deutschland am häufigsten vom Gemeinen Holzbock befallen. Im Vergleich zu Hunden ist ein Befall bei Katzen eher selten zu beobachten. Finden sich doch Zecken im Haarkleid der Samtpfoter, dann zumeist Igelzecken, die nicht nur in Deutschland sondern auch in vielen anderen Ländern Mittel- und Westeuropas beheimatet ist.

Regionale Zeckenhäufigkeit – Der Einfluss von Wind und Wetter

Zwar sind Zecken nahezu das ganze Jahr über aktiv, lokal sind die Häufigkeit ihres Auftretens und das Ausmaß ihrer Aktivität allerdings starken Schwankungen unterlegen. Der Grund dafür ist, dass auch Zecken einen „Wohlfühlbereich“ besitzen. Entsprechen Temperatur, Witterung und Habitat den Bedürfnissen der Parasiten, können sie sich optimal entwickeln und vermehren. Der Gemeine Holzbock bevorzugt beispielsweise einen Temperaturbereich von milden 17 bis 20 °C. Beträgt die relative Luftfeuchtigkeit zudem noch zwischen 80 und 95 Prozent, ist der Blutsauger besonders aktiv.

Die Untersuchung ergab: Abgesehen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, haben auch die Länge und Intensität der Sonneneinstrahlung sowie die Regenmenge Einfluss darauf, wie häufig Zecken in einer bestimmten Region vorkommen. Um allzu großer Trocken- und Feuchtigkeit zu entgehen, ziehen sich Zecken bei anhaltendem Regen oder zu starker Sonneneinstrahlung in ihre schattigen Verstecke zurück. Im Unterholz und in Bodennähe auf Wiesen und Feldern finden sie Schutz und überdauern extreme Wetterphasen.

Faktoren, die das Vorkommen von Zecken beeinflussen können:

  • Temperatur
  • Relative Luftfeuchtigkeit
  • Anzahl der Sonnenstunden
  • Niederschlagsdauer und –menge

Jahresverlauf der Zeckenaktivität

Für gewöhnlich erwachen Zecken aus ihrer Winterruhe, wenn die Temperaturen die 8°C-Marke überschreiten. Anschließend verlassen Sie ihre winterlichen Verstecke und begeben sich auf die Suche nach Wirten. In Deutschland ist dies meist ab März der Fall. Treten keine außergewöhnlichen Hitzephasen oder Regenperioden auf, ist die Zeckenaktivität im Frühjahr und Herbst am größten. Der Höhepunkt der jährlichen Aktivität wird zwischen Mai und Juni bzw. September und November erreicht. Im Juli und Dezember sind Zecken eher selten in freier Natur anzutreffen, da die Luft zu trocken und die Temperaturen zu warm sind.

Saisonale Aktivität von Parasiten

Tierhalter sollten sich jedoch nicht täuschen: Die Untersuchung der Münchener Wissenschaftler bestätigt, dass, abhängig von den besonderen Witterungs- und Klimabedingungen vor Ort, mit einer Zeckenattacke fast das ganze Jahr hindurch zu rechnen ist. Sind die Winter besonders mild, kann es durchaus passieren, dass Zecken bereits im Januar oder Februar aus ihrer Winterruhe erwachen.

Schutz vor Zecken

Für Tierhalter ist es wichtig frühzeitig über den Zeckenschutz für ihre Vierbeiner nachzudenken und sich entsprechend vorzubereiten. Zecken sind schließlich nicht nur lästig, sie können auch gefährliche Krankheitserreger wie z. B. die der Anaplasmose, Borreliose oder Babesiose übertragen. Da eine Übertragung üblicherweise bereits innerhalb weniger Stunden nach dem Stich erfolgt, sollten Tierhalter mit dem Zeckenschutz nicht warten bis sie die ersten Zecken im Fell entdecken.

Hierzu stehen Tierhalten Präparate in unterschiedlichsten Darreichungsformen wie Spot-Ons oder Antiparasitenhalsbänder (z. B. Seresto®) zur Verfügung. Bei der Produktwahl sollte vor allem darauf geachtet werden, dass das Präparat neben akariziden (Zecken abtötenden) zugleich auch über repellierende (den Zeckenstich verhindernde) Eigenschaften verfügt. So wird die Wahrscheinlichkeit einer Erregerübertragung indirekt reduziert.

Egal für welches Produkt sich Hunde- und Katzenhalter entscheiden: Der Zeckenschutz sollte immer auch mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Linktipp:

Über das aktuelle Risiko einer Zeckenattacke in ihrer Umgebung, können sich Tierhalter auf Zeckenwetter.de informieren. Ein Team aus Meteorologen und Biologen erstellt hier tagesaktuelle Karten, die Witterungsbedingungen berücksichtigen. Speziell für das Thema Hunde und Zecken ist eine eigene Rubrik eingerichtet.


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