Vorsorge ist besser als Nachsorge – <br>„Ganzjährige Flohprophylaxe ist der akuten Bekämpfung vorzuziehen“

Vorsorge ist besser als Nachsorge –
„Ganzjährige Flohprophylaxe ist der akuten Bekämpfung vorzuziehen“

Weltweit gibt es über 2.000 verschiedene Floharten und -unterarten. In Deutschland sind vor allem der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) und der Hundefloh (Ctenocephalides canis) von Bedeutung. Parasitenfrei.de sprach mit der Parasitologin Dr. Friederike Krämer vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin an der Freien Universität Berlin über die Lebensweise des Flohs, die Folgen eines Befalls bei Hund und Katze, aber auch über mögliche Risiken für den Menschen.

Frau Dr. Krämer, wie häufig wird Flohbefall in Deutschland insgesamt diagnostiziert und wann ist das Risiko eines Befalls für Hund und Katze am größten?

Das Risiko eines Flohbefalls bei Hund und Katze ist jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen, da die Entwicklung des Flohs von bestimmten Witterungsbedingungen abhängt. Das sind zum Beispiel die relative Luftfeuchtigkeit und die Umgebungstemperatur. Allerdings besteht grundsätzlich das ganze Jahr über die Möglichkeit eines Befalls.

Weltweit sind der Katzen- und der Hundefloh die beiden häufigsten Floharten, wobei der Katzenfloh bei Hund und Katze den Hundefloh i. d. R. übertrifft. Katzen haben – im Vergleich zu Hunden – oft mehr mit Flöhen zu kämpfen: In einer großen Studie in Deutschland lag die Befallsrate für Katzen bei 14,3 Prozent und für Hunde lediglich bei 5,1 Prozent. Im Sommer und Herbst ist zumeist erhöhte Vorsicht geboten; bei dem warmen und feuchten Wetter sind die Flöhe besonders aktiv.

Erwachsene Flöhe beginnen üblicherweise bereits kurz nach der ersten Blutaufnahme mit Paarung und Eiablage. Wie verläuft der weitere Lebenszyklus des Flohs und wie wird er von der Umwelt (vor allem den häuslichen Bedingungen) beeinflusst?

Sobald der Floh sich auf seinem Wirt, in unserem Fall also dem Haustier, befindet, beginnt er binnen Sekunden mit der Blutaufnahme und kurz darauf mit der Paarung. Im Durchschnitt legt ein Floh ca. 25 Eier pro Tag ab, wovon aber nur knapp die Hälfte zu einem erwachsenen Floh heranreift. Hierbei spielen warme Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit eine tragende Rolle.

Nach dem Schlüpfen aus dem Ei verläuft die weitere Entwicklung zum erwachsenen Floh über insgesamt drei Larvenstadien. Um sich vor Austrocknung zu schützen, ziehen sich die Larven tief in die Umgebung wie Sofaritzen oder tiefliegende Schichten des Teppichbodens zurück, um sich dort zu verpuppen. Es bildet sich ein Kokon, in dem dann die weitere Entwicklung abläuft. Vor der Umwelt gut geschützt, kann der Floh in diesem Kokon über Wochen und Monate hinweg in einer Art „Wartestadium“ verharren und zum geeigneten Zeitpunkt schlüpfen, wenn potentielle Opfer in seine Nähe kommen.

Wieso bleibt ein Flohbefall bei Hund und Katze oft unbemerkt? Gibt es klare Hinweise, die auf einen Befall hindeuten und wie sehen diese aus?

Entscheidend hierfür ist vor allem die Fellpflege. Besonders Katzen können durch intensives Putzen binnen einer Woche bis zu 50 Prozent ihres Flohbefalls reduzieren. Ist das Putzverhalten eingeschränkt, so beträgt die maximale Lebensdauer ausgereifter Flöhe bei Katzen bis zu 133 Tage. Die häufig geringe Anzahl erwachsener Flöhe auf dem Tier kann ein Grund dafür sein, weshalb ein akuter Flohbefall zunächst oft unbemerkt bleibt.

Typische klinische Anzeichen eines Flohbefalls sind Juckreiz, Haarbruch, haarlose Stellen (so genannte Alopezie), verkrustete Hautstellen oder auch Hautverdickungen. Diese treten insbesondere im Übergangsbereich von Lendenwirbelsäule und Kreuzbein, zum Teil auch im Ohrbereich, in den Schenkelfalten und am Schwanzansatz auf. Im weiteren Verlauf kann sich die Haut durch hinzukommende Bakterien oft entzünden. Bei Katzen kann es zudem zu einer besonderen Art der Hautentzündung, der sogenannten der miliaren Dermatitis, kommen, die sich durch ein sandpapierartiges Erscheinungsbild der Haut äußert. Neben diesen klassischen Merkmalen am Tier ist der Nachweis von Flohkot ein eindeutiger Beleg für einen bestehenden Befall. Mit Hilfe eines Flohkamms kann dieser, neben dem Floh selbst und den Floheiern, aus dem Fell des Tieres ausgekämmt werden und färbt sich - im Gegensatz zu normalen Dreckkrümeln – bei Kontakt mit feuchtem Papier rot, aufgrund des darin enthaltenen verdauten Blutes.

Wie sollte ein Befall richtig therapiert werden? Ist zum Beispiel eine Behandlung gegen erwachsene Flöhe ausreichend? Wie lässt sich eine rasche Vermehrung des Flohs stoppen?

Falls ein Flohbefall vorliegt, sollten Tierhalter die betroffenen Hunde und Katzen zunächst einmal gegen erwachsene Flöhe behandeln. Des Weiteren sollten alle übrigen, im Haushalt lebenden Tiere bzw. Tiere mit engem Kontakt behandelt werden. Als nächstes sollte die Umgebung gesäubert und evtl. behandelt werden.

Für die Behandlung des Tieres steht eine Vielzahl von Tierarzneimitteln – sogenannten Ektoparasitiziden – zur Verfügung, die oft eine langfristige Wirkung aufweisen, was besonders im Hinblick auf einen erneuten Befall von Vorteil ist. In der Umgebung des Tieres sollten insbesondere die Schlaf- und Liegeplätze des Tieres regelmäßig gereinigt bzw. gewaschen werden. Hier helfen regelmäßiges Staubsaugen und Wischen bzw. Waschen von potentiell mit Eiern, Larven oder Puppen verseuchten Gegenständen bei möglichst 60°C. Alternativ können zum Beispiel Kissen auch eingefroren werden. Nach dem Staubsaugen sollte darauf geachtet werden, dass die Beutel entsprechend entsorgt werden. Bei einem massiven Befall kann auch eine Insektizidbehandlung in der Umgebung notwendig sein.

Getreu dem Motto: „Vorsorge ist besser als Nachsorge“, ist eine regelmäßige, durchgehende, ganzjährige Flohprophylaxe der akuten Bekämpfung vorzuziehen. Geeignete Präparate sind beim Tierarzt oder in tierarzneimittelführenden Apotheken erhältlich.

Flöhe sind ein potentieller Überträger von Bandwürmern wie dem Gurkenkernbandwurm Dipylidium caninum. Wie kann dieser Umstand in die Behandlung mit eingebunden werden?

Hunde und Katzen können in der Folge eines Flohbefalls mit Hautentzündungen oder allergischen Symptomen reagieren, aber eben auch an Erregern erkranken, die der Floh sozusagen „mitbringt“. Ein Befall mit dem erwähnten Gurkenkernbandwurm erfolgt häufig ohne, oder mit nur schwach ausgeprägten Symptomen, wie wechselndem Appetit, Durchfall oder Verstopfung. Ein derartiger Befall des Haustieres stellt allerdings ein Hygieneproblem für den Menschen dar und bildet ein mögliches Infektionsrisiko insbesondere für kleine Kinder.

Gerade dieser Umstand, dass ein Wurmbefall von Hund oder Katze durch Verzehr infizierter Flöhe möglich ist und sich so auch ein potentielles Erkrankungsrisiko für den Menschen ergibt, unterstreicht noch einmal den Rat nach einer kontinuierlichen und lückenlosen Flohprophylaxe während des gesamten Jahres bei Hunden und Katzen.

Dr. Friederike Krämer

Veterinärmedizinerin Frau Dr. Krämer arbeitet am Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin. Die Fachtierärztin für Parasitologie kann auf eine mehrjährige Erfahrung im Bereich der klinischen Entwicklung von Parasitiziden (vor allem für Kleintiere) zurückblicken.
Ihr derzeitiger Arbeitsschwerpunkt liegt auf Vektor-übertragenen Erkrankungen bei Hunden und Katzen. Zu diesen, auch als VBDs (vector-borne diseases) bezeichneten, Erkrankungen gehören all jene Krankheiten, die durch eine Übertragung von Erregern durch z. B. Flöhe, Zecken, Stech- und Engelsmücken verursacht werden.

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