Wurmeier auf Kinderspielplätzen

Wurmeier auf Kinderspielplätzen

Aktuelle Studie untersucht Spulwurmbelastung von Sandkästen in Hannover

Ein Befall mit Spulwürmern gehört zu den häufigsten Wurmerkrankungen von Hund und Katze in Deutschland. Der verbreitete Wurmparasit birgt aber nicht nur für den Vierbeiner sondern zugleich auch für den Menschen gesundheitliche Risiken – gerade für Kinder.

Parasitologin Professor Dr. Christina Strube von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) untersuchte mit ihrem Team, wie häufig infektiöse Wurmeier auf Kinderspielplätzen vorkommen. Parasitenfrei.de sprach mit der Expertin über ihre Analyse und die Risiken für Tier und Halter.

 

Frau Prof. Dr. Strube, was haben Sie und Ihr Team genau untersucht?

Ziel der Untersuchung war es, uns einen Überblick darüber zu verschaffen, in welchem Maß Kinderspielplätze mit Eiern des Spulwurms infiziert sind. Dabei untersuchten wir in 2011 Spielplätze im Stadtgebiet Hannover. Ein Jahr lang haben wir monatlich Sandproben von insgesamt 46 Spielplätzen entnommen. Diese wurden dann mithilfe eines bestimmten Verfahrens zum Nachweis von Wurmeiern ausgewertet.

Zu welchem Ergebnis sind Sie bei Ihrer Untersuchung gekommen?

Unsere Auswertung läuft zurzeit noch, weshalb wir noch keine abschließende Bewertung unserer Ergebnisse vornehmen können. Bereits jetzt lässt sich allerdings sagen, dass auf Spielplätzen in Hannover verschiedene Parasitenstadien vorkommen. So konnten Spulwurmeier – je nach Jahreszeit – auf 6,5 bis 28 Prozent der untersuchten Plätze nachgewiesen werden. In vielen Fällen waren diese Eier embryoniert, also potentiell infektionsfähig.

Hat Sie dieses Ergebnis überrascht?

Ja, durchaus. Allerdings im positiven Sinn. In Deutschland wurden bislang zwei Studien zum Vorkommen von Spulwürmern im Sand von Kinderspielplätzen durchgeführt: eine in 1984 in Frankfurt am Main und eine weitere im August 1985 – ebenfalls in Hannover. Das Ausmaß der Verseuchung bzw. der Kontamination des Sandes war seinerzeit noch weitaus höher, als wir in unserer Untersuchung feststellen konnten. Sie betrug damals, je nach Untersuchungsort und Jahreszeit, zwischen 56 bis 87 Prozent.

Was denken Sie, ist der Grund für diesen Rückgang?

Das ist vermutlich auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens auf ein erfolgreiches Hygienemanagement seitens der Städte als Träger und Betreiber der Spielplätze und zweitens auf ein scheinbar verändertes Bewusstsein der Tierhalter. Letzteres könnte auf eine bessere Aufklärung von Hunde- und Katzenhaltern zurückzuführen sein. Die Risiken, die von Haustierparasiten auf Hunde und Katzen, aber auch den Menschen selbst ausgehen, werden wahrgenommen und führen zu einer besseren Anpassung der individuellen Behandlung, also Entwurmung gegen verschiedene Wurmparasiten.

Eine geeignete Behandlung und ein umsichtiges Verhalten seitens der Tierhalter sind also von großer Bedeutung bei der Bekämpfung des Spulwurms?

Absolut! Uns ist wichtig zu vermitteln, dass Tierbesitzer sich an ihren Tierarzt als kompetenten Ansprechpartner wenden. Dieser kann eine fundierte individuelle Risikoanalyse für den jeweiligen Hund bzw. die Katze vornehmen. Hunde und Katzen können sich nämlich beim Schnüffeln oder Fressen von mit Spulwurmeiern verunreinigter Erde, leicht mit dem Parasiten infizieren.

Um zu verhindern, dass Spulwurmeier weiterhin in die Umwelt und damit auch in Sandkästen gelangen können, ist es wichtig, dass Tierhalter ihre Haustiere regelmäßig gegen Parasiten behandeln. Hier ist auch ein Appell an die Hundehalter wichtig, ihre Tiere nicht auf Kinderspielplätze zu lassen, was wir bei unserer Probenentnahme immer wieder beobachten konnten.

Zusätzlich zur Beratung durch den Tierarzt vor Ort können sich Hunde- und Katzenhalter online unter www.esccap.de, der Internetseite der unabhängigen Expertenorganisation ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animals Parasites), über verschiedene Parasiten und die angemessenen Schutzmaßnahmen informieren.

Wie gefährlich sind Spulwürmer für die Gesundheit von Hund und Katze?

Eine Spulwurminfektion verläuft bei erwachsenen Hunden und Katzen für gewöhnlich asymptomatisch, d. h. sie rufen keine Symptome hervor, die die Besitzer bemerken könnten. Dabei sind die Tiere aber dennoch infiziert und scheiden möglicherweise bereits infektiöse Eier mit dem Kot aus, die dann wieder von anderen Tieren wie Hunden, Katzen aber auch z. B. Mäusen aufgenommen werden können.

Erst bei einem massiven Befall kann es dazu kommen, dass klinische Symptome auftreten. Das sind z. B. die Entwicklung einer Lungenentzündung, Durchfall, Erbrechen, Abmagerung oder struppiges glanzloses Fell. Werden Welpen hochgradig von Spulwürmern befallen, kann es hier sogar zu Todesfällen kommen.

Auch können inneren Organe des Tieres geschädigt werden. Bevor sich die Parasiten im Darm festsetzen und schließlich zu geschlechtsreifen Würmern weiterentwickeln, durchwandern ihre Larven in der Regel den Körper und können auf ihrem Weg z. B. Leber und Lunge schädigen.

Video: Spulwurm Toxocara canis beim Hund

 

Hunde und Katzen können also leicht durch Spulwürmer geschädigt werden. Wie ist es aber mit dem Mensch? Können sich auch Herrchen und Frauchen mit dem Spulwurm infizieren?

Ja, auch das ist möglich. Der Mensch ist ein so genannter Fehlwirt für Spulwürmer von Hund und Katze. Das bedeutet, dass er im Entwicklungszyklus des Wurmes eigentlich nicht vorgesehen ist. Im Mensch kann keine Weiterentwicklung des Parasiten zum geschlechtsreifen Wurm erfolgen. Es kann jedoch nach dem Schlupf der Larve aus dem Ei im Darm auch beim Menschen zur Wanderung der Larve in verschiedene Organsysteme mit anschließender Einnistung der Larve im jeweiligen Gewebe kommen. Dieses Verhalten des Spulwurms kann dann verschiedene Erkrankungsbilder beim Menschen hervorrufen.

Infizieren kann sich der Mensch beispielsweise über die Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln, z. B. nicht gründlich gewaschenem Gemüse oder ungenügend erhitztem Fleisch. Kinder sind durch ihr Verhalten – wie mangelndes Hygienebewusstsein – besonders gefährdet, sich zu infizieren. Beispielweise neigen Kleinkinder dazu, in heruntergefallene Süßigkeiten direkt wieder in den Mund zu nehmen, ohne sie vorher ausreichend zu säubern.

Ein weiteres Problem in der Bekämpfung des Spulwurmes stellt die besonders klebrige Oberfläche der Eihülle dar, so dass sich zum einen die Spulwurmeier nur durch gründliches Waschen von Oberflächen lösen lassen und es zum anderen z. B. über die Schuhsolen auch zum Eintrag von Spulwurmeiern in die Wohnung kommen kann.


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