Alex: Importhund mit chronischer Leishmaniose

Alex: Importhund mit chronischer Leishmaniose

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Liebe auf den ersten Blick

Alex, ein Malinois-Boxer-Mix aus Alicante in Spanien, kam im September 2002 im Alter von sechs Monaten nach Deutschland. Nach nur einer Woche in einer Hundepension wurde er von Familie Zühlsdorf aus Worms entdeckt: „Wir verliebten uns gleich in ihn. Er war aufgeweckt und freundlich und mit vielen Hunden und Katzen aufgewachsen, so dass keine Probleme mit unseren drei Katzen zu erwarten waren. Alex war bereits geimpft, und daher machten wir uns keine Gedanken über irgendwelche Krankheiten.“

Zwei Tage nach seiner Ankunft hatte Alex plötzlich Husten und einen wässrigen Durchfall. Beim Tierarzt wurden Pusteln in den Ohren, an Nase und Lefzen sowie verkrustete Hoden entdeckt. Sie seien nicht bedenklich, meinte der Arzt. Die Medikamente schienen zu helfen. Nur der Durchfall blieb, und immer wieder trat Schnupfen auf.

Eine rätselhafte Tropenkrankheit

„Ende Februar 2003 fiel uns auf, dass Alex sehr viel schlief. Man konnte ihn kaum überreden, Gassi zu gehen, und fressen wollte er auch nicht mehr“, wie Angelika Zühlsdorf in ihrem Tagebuch vermerkte. Anfang März suchte sie deshalb einen anderen Tierarzt auf, der gleich Blut abnahm. „Das Ergebnis war sehr bedenklich, und es wurden weitere Untersuchungen, etwa auf Tropenkrankheiten, durchgeführt. Die Diagnose war ein Schock: Leishmaniose.“ Die Erreger dieser gefährlichen Infektionskrankheit können sowohl Mensch wie Hund befallen und werden durch den Stich der Sandmücke übertragen.

In den nächsten Monaten folgten komplizierte Untersuchungen wie Lymphknoten- und Knochenmarkbiopsie, Strahlendiagnostik sowie molekularbiologische Nachweise. Dabei stellte sich heraus, dass Alex neben Leishmaniose auch an Ehrlichiose litt, einer ebenfalls im Mittelmeerraum weit verbreiteten, durch blutsaugende Parasiten übertragenen Infektionskrankheit. Beide Erkrankungen wurden medikamentös behandelt, und jeden Monat wurde ein großes Blutbild angefertigt. Zusätzlich wurde der Gesundheitszustand des Hundes durch Infusionen, ein spezielles Nierenfutter und eine Eigenbluttherapie bis Ende 2003 wieder verbessert. „Wir machten uns Hoffnungen, alles überstanden zu haben“, erinnert sich Angelika Zühlsdorf.

Zwischen Hoffen und Bangen

Aber in den folgenden zweieinhalb Jahren traten immer wieder Fieber und sehr starkes Nasenbluten auf, und Alex’ Blutwerte verschlechterten sich zunehmend. Neben der konventionellen Behandlung wurden alternative Therapien wie Bioresonanztherapie und chinesische Medizin versucht. Die Tierarzt- und Behandlungskosten beliefen sich inzwischen auf mehr als 10.000 Euro.

Im WM-Sommer setzte die Hitze dem geschwächten Hund dann stark zu. Angelika Zühlsdorf: „Alex bekam wieder starke Fieberschübe, war sehr schwach und stand stundenlang mit dem Kopf zur Wand gedreht. Zusätzlich litt er oft an Durchfall und Erbrechen, so dass ich in heißen Nächten bei ihm schlief, um aufzupassen. Die Hitze strengte ihn sehr an, und Ausflüge waren nur mit vielen Pausen möglich. Am 23. Juli 2006 blieb er dann auf einem Spaziergang in den Weinbergen einfach liegen und atmete schwer. Nachdem ich ihn nach Hause gebracht hatte, starb er im Alter von nur vier Jahren.“

Parasiten abschrecken, bevor sie beißen und saugen können

Für Tierarzt Guido Funk aus Niederkassel ist dies kein untypischer Verlauf einer chronischen Leishmaniose: „Die Erkrankung führt oft trotz aller Bemühungen zum Tod des Tieres. Die beste Vorbeugung gegen Leishmaniose, Ehrlichiose und Babesiose ist natürlich, den Hund gar nicht erst in die gefährdeten Gebiete mitzunehmen. Wer mit Hund in den Süden fahren möchte, sollte ihn unbedingt vorher mit einem repellierend wirkenden Mittel gegen Zecken und Sandmücken behandeln, das die Parasiten abschreckt, bevor sie beißen und saugen können. Der monatliche Parasitenschutz ist ebenfalls für Deutschland zu empfehlen, da auch hier ein gewisses Infektionsrisiko besteht.“


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