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Kann ich mein Tier komplett wurmfrei halten?



Ein Wurmbefall kann nicht nur Durchfall und Erbrechen bei Hunden und Katzen verursachen, er kann auch Mangelerscheinungen, Immunschwäche und viele andere Gesundheitsstörungen hervorrufen. Einige Wurmarten unserer Haustiere können sogar Gesundheitsschäden bei Menschen verursachen. Um Mensch und Tier effektiv zu schützen, ist eine Vorgehensweise, die sich nach dem individuellen Infektionsrisiko des Tieres richtet, am besten geeignet. PD Dr. Dr. Dieter Barutzki, Fachtierarzt für Parasitologie und Leiter des Tierärztlichen Labors Freiburg, beantwortet die wichtigsten Fragen zu Infektionsrisiken und dem gezielten Schutz von Mensch und Tier.

Herr Dr. Dr. Barutzki, kann ich mein Tier überhaupt komplett wurmfrei halten?

Nein, bei der üblichen Haltung von Haustieren ist es nicht möglich, einen Wurmbefall immer auszuschließen, denn Ihr Tier kann sich jederzeit mit Würmern infizieren. Einen vorbeugenden Schutz, wie zum Beispiel durch eine Impfung, gibt es gegen die meisten Würmer nicht. Wenn Sie aber die Häufigkeit von Entwurmungen oder Kotuntersuchungen dem individuellen Infektionsrisiko ihres Tieres anpassen, sind Ihr Hund oder Ihre Katze, aber auch Sie selbst und Ihre Familie, bestmöglich vor den gesundheitlichen Risiken geschützt. Denn durch regelmäßige Behandlungen kann man die gesundheitlichen Schäden, die durch den Wurmbefall entstehen, deutlich verringern und darüber hinaus die weitere Verbreitung und Vermehrung der Würmer eindämmen. So schützt man nicht nur das Tier, sondern auch sich selbst! Alternativ zu regelmäßigen Entwurmungen können in je nach Risiko unterschiedlichen zeitlichen Abständen parasitologische Kotuntersuchungen durchgeführt werden, mit deren Hilfe ein Befall mit ausgewachsenen Würmern frühzeitig erkannt und dann eine zielgerichtete Therapie rechtzeitig eingeleitet wird. Wichtig sind außerdem Hygienemaßnahmen und hierbei insbesondere das regelmäßige Entfernen von Hunde- und Katzenkot, um eine Kontamination der Umgebung mit Infektionsstadien zu reduzieren.

Vor welchen Würmern sollte ich mein Tier denn schützen?

Eine große Rolle spielen bei Hunden und Katzen Würmer, die den Magen/Darmtrakt besiedeln wie z.B. Spul- oder Hakenwürmer und/oder Bandwürmer. Im Zuge des Klimawandels verbreiten sich jedoch auch Wurmarten wie der Herzwurm (Dirofilaria immitis) und der Hautwurm (Dirofilaria repens), die vorher nur aus südlicheren oder östlichen Regionen Europas bekannt waren, immer weiter nach Westen und Norden. Der Hautwurm wurde bereits in Deutschland festgestellt, der Herzwurm ist nachweislich in der Westschweiz und in Frankreich heimisch.

Zudem spielen vor allem auch Lungenwürmer eine wichtige Rolle. Diese Parasiten besiedeln Blutgefäße und den Atmungstrakt des Hundes. Insbesondere Lungenwürmer und Herzwürmer können zu schweren Gesundheitsschäden bei Hunden führen und unerkannt großen Schaden anrichten.

Wie infiziert sich mein Tier eigentlich mit Würmern?

Die winzig kleinen, mit dem bloßen Auge nicht sichtbaren Wurmeier oder Wurmlarven können sich fast überall befinden. Tiere nehmen sie auf, wenn sie beispielsweise den Kot anderer Tiere, rohes Fleisch oder Gras fressen oder auch nur an den Schuhsohlen ihrer Menschen schnuppern. Selbst im Fell von Hund und Katze können sich infektiöse Wurmeier befinden, die z.B. leicht bei der Körperpflege aufgenommen werden. Zudem können Kätzchen und Hundewelpen bestimmte Wurmlarven bereits mit der Muttermilch aufnehmen und Hundewelpen sich sogar noch früher, schon im Mutterleib infizieren.

Herz- und Hautwürmer werden hingegen durch bestimmte Stechmücken übertragen. Sind die Mücken mit den Erregern infiziert, können sie diese beim Blutsaugen auf den Wirt übertragen. Davor kann man seinen Vierbeiner jedoch vorbeugend schützen, indem man ihn mit repellierenden, das heißt abwehrenden, Antiparasitika vor den Stechmücken schützt. So kann man eine Übertragung in den meisten Fällen verhindern. Völlig ausschließen kann man die Übertragung jedoch nicht. Bei einem Verdacht auf eine mögliche Übertragung helfen spezielle Entwurmungsmittel aus der Tierarztpraxis.

Lungenwürmer werden durch das Fressen von Schnecken übertragen, möglicherweise auch durch die Aufnahme von Gras, auf dem infizierte Schnecken eine Schleimspur mit Infektionsstadien hinterlassen haben.

Besteht dauerhaft ein Übertragungsrisiko, müssen die speziellen Entwurmungsmittel regelmäßig gegeben werden, um Herz-, Lungen- und Hautwürmer abzutöten, bevor diese bleibende Schäden verursachen. In Gebieten mit einem hohen Befallsrisiko etwa für Herzwürmer, wie zum Beispiel in Norditalien, sollte man seinen Hund daher monatlich gegen Herzwürmer behandeln. Am besten lassen Sie sich zum Schutz vor Herz-, Lungen- und Hautwürmern individuell von Ihrem Tierarzt beraten.

Eine Infektion durch die Muttermilch oder im Mutterleib, wie geht das?

Wenn sich eine Hündin oder eine Katze mit den Larven von Spul- oder Hakenwürmern infiziert, können diese Wurmlarven statt sich im Darm zu ausgewachsenen Würmern zu entwickeln in das Muskelgewebe wandern und sich dort verkapseln. In ihrer Kapsel befinden sich die Gewebelarven in einer Art Ruhestadium. Aus diesem Ruhestadium erwachen sie erst wieder, wenn die Hündin oder Katze trächtig wird, also Junge erwartet. Die Gewebelarven brechen dann ihre Kapseln auf und wandern in die Milchdrüse des Muttertiers. Sobald die Neugeborenen saugen, nehmen sie mit der Milch gleichzeitig die Wurmlarven auf. Bei einer trächtigen Hündin wandern die Larven nicht nur in die Milchdrüse sondern auch in die Gebärmutter und befallen dort die ungeborenen Welpen. Sie sind dann bereits infiziert, wenn sie auf die Welt kommen.

Wie und wie lange wirkt eine Entwurmung?

Die Wirkdauer der üblichen Präparate beträgt rund 24 Stunden. Während dieser Zeit werden alle Würmer und ihre Entwicklungsstadien, die sich z.B. im Darm des Tieres befinden, abgetötet. Danach haben Hund oder Katze keine Würmer mehr und scheiden auch keine ansteckenden Wurmeier mehr aus. Nun kann sich das Tier aber theoretisch direkt erneut mit Wurmlarven infizieren. Dagegen kann man nichts tun. Passiert dies, dauert es jedoch ein paar Wochen, bis sich aus den Larven neue Würmer entwickelt haben, die Eier legen und diese ausscheiden.

Wie häufig sollte ich mein Tier entwurmen?

Die Häufigkeit der Entwurmungen richtet sich nach dem persönlichen Hygieneanspruch und dem individuellen Infektionsrisiko des Tieres. Alternativ zu den regelmäßigen Entwurmungen können auch Kotuntersuchungen durchgeführt werden. Dann muss nur entwurmt werden, wenn der Tierarzt tatsächlich Wurmeier in der Kotprobe findet. Allerdings scheiden Tiere, die von Würmern befallen sind, nicht ständig Wurmeier aus. Daher ist es wichtig, dass für eine parasitologische Untersuchung stets Sammelkot von 3 aufeinanderfolgenden Tagen untersucht wird, um die Nachweissicherheit zu erhöhen. Weiterhin können für bestimmte Würmer, wie etwa Herz-und Hautwürmer, spezielle Nachweismethoden über das Blut durchgeführt werden. Hier ist zu beachten, dass Infektionen teils erst Monate nach der Ansteckung nachgewiesen werden können.

Aber auch andere Faktoren, wie beispielsweise die Teilnahme an Wettbewerben oder Urlaubsreisen, können das Infektionsrisiko Ihres Tieres beeinflussen. Am besten ist es, wenn Sie sich von Ihrem Haustierarzt individuell beraten lassen.

Ihr Dieter Barutzki

Februar 2017


PD Dr. Dr. Dieter Barutzki ist Leiter des Tierärztlichen Labors Freiburg und lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). In der Fachwelt ist er als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen zur Verbreitung, Diagnose und Bekämpfung von Parasiten bei Haus-, Nutz- und Wildtieren bekannt.


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