Mücken als Überträger: Lauern gefährliche Herz- und Hundehaut­würmer nun auch in Deutschland?



Der Herzwurm (Dirofilaria immitis) und der Hundehautwurm (Dirofilaria repens) sind Parasiten, die von Mücken übertragen werden. Bis vor wenigen Jahren kamen beide Arten vor allem in Südeuropa vor und galten als klassische Reisekrankheiten. Inzwischen gibt es jedoch diverse Fallberichte von Hunden, die sich nachweislich in Deutschland mit dem Hautwurm infiziert haben, und auch der Herzwurm konnte bereits bei uns in Stechmücken nachgewiesen werden. Klimatische Untersuchungen zeigen, dass diese Parasiten auch bei uns ihren Entwicklungszyklus vollenden können. Der Herzwurm kann lebensbedrohliche Herzkreislauferkrankungen bei Hunden verursachen. Ein Befall mit dem Hundehautwurm ist zwar in der Regel für den Hund nicht hochgefährlich, kann aber bspw. zu Knoten in der Haut führen, die gegebenenfalls chirurgisch entfernt werden müssen. Vor allem aber handelt es sich um einen Erreger, der auch auf Menschen übertragen werden kann.

Tierärztin Dr. Sonja Wolken beantwortet hier die wichtigsten Fragen zur Übertragung und dem gezielten Schutz von Hunden.

Wie infizieren sich Hunde mit dem Herz- oder Hautwurm?

Die Übertragung erfolgt über Stechmücken, die von mikroskopisch kleinen Wurmlarven befallen sind. Wenn eine befallene Stechmücke zusticht, gelangen die winzigen Wurmlarven in den Hund.

Bei einer Übertragung von Larven des Herzwurms(Dirofilaria immitis) dringen die Larven in Blutgefäße ein und gelangen mit dem Blutstrom zu den großen Blutgefäße von Herz und Lunge. Erst nach etwa 6 Monaten haben sich dort die Larven zu bis zu 30 cm langen, geschlechtsreifen Würmern entwickelt. Die Herzwurmweibchen sind lebendgebärend und entlassen ihre Nachkommen - sogenannte Mikrofilarien- in das Blut des Tiers. Saugt nun eine andere Stechmücke das Blut des Hundes auf, nimmt sie automatisch diese Mikrofilarien auf und kann sie (nach weiteren Entwicklungsschritten im Moskito) wiederum auf den nächsten Hund übertragen – so sorgt der Herzwurm für die weitere Verbreitung seiner Nachkommen.

Der Lebenszyklus des Hundehautwurms (Dirofilaria repens) verläuft ähnlich. Allerdings siedelt sich der Hundehautwurm nicht in den Blutgefäßen, sondern meist im Unterhautgewebe an, wo sich dann ein Knoten bilden kann. Seltener wandert der Hautwurm auch durch die Körperhöhlen.

Wie schadet ein Herzwurmbefall dem Hund?

Erwachsene Herzwürmer können 5 -7 Jahre im Körper eines Hundes überleben. Das Ausmaß des gesundheitlichen Schadens für den Hund ist unter anderem davon abhängig, wie stark der Herzwurmbefall ist. Das heißt, ein leichter Befall kann u.U. ohne Symptome verlaufen. Je mehr Würmer jedoch in den Gefäßen siedeln, desto stärker wird das Herz belastet und umso schlechter wird z.B. die Blutversorgung und es kann zu Konditionsverlust, Schwäche, Apathie, Blutarmut, Atemnot und Hustenanfällen kommen. Die Durchblutungs- und Kreislaufstörungen durch den Herzwurmbefall betreffen dabei nicht nur Herz und Lunge, sondern auch Leber und Nieren werden sekundär in ihrer Funktion beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall kann die Infektion für den Hund tödlich enden. Es ist schwierig, einen hochgradigen Befall mit ausgewachsenen Würmern zu behandeln und es drohen Komplikationen.

Können sich auch Menschen mit Herz- und Hundehautwürmern infizieren?

Grundsätzlich können die Stechmücken die Wurmlarven auch auf Menschen übertragen. Die Larven des Herzwurms (Dirofilaria immitis) werden jedoch vom Abwehrsystem des Menschen meist erfolgreich bekämpft. Werden jedoch die jungen Wurmstadien erst in der Lunge abgekapselt, kann dies als „Fleck“ im Röntgenbild sichtbar sein. Ausgewachsene Herzwürmer gibt es beim Menschen nicht.

Anders jedoch beim Hundehautwurm: Bei einer Übertragung der Larven des Hundehautwurms (Dirofilaria repens) kann sich beim Menschen wie beim Hund im Gewebe sogar ein erwachsener Wurm entwickeln! Hierfür gibt es bereits eine Fallbeschreibung aus Deutschland.

Wie können Hundehalter einer Infektion bei ihrem Vierbeiner vorbeugen?

In Gebieten, in denen ein Risiko für den Befall mit Herz- und/oder Hundehautwürmern besteht, ist es an erster Stelle sehr empfehlenswert, Hunde vorbeugend monatlich mit einem speziellen Wurmmittel gegen übertragene Larven zu behandeln. So tötet man die Wurmlarven ab, bevor sie Schaden anrichten können. Ihre Tierarztpraxis berät Sie dazu individuell.

Zudem hilft die Vorbeugung gegen Mückenstiche durch wirksame repellierende Antiparasitika. Diese Medikamente verhindern, dass die Mücke überhaupt zusticht. Ein weiterer Vorteil bestimmter repellierender Präparate ist, dass sie gleich mehrere Parasiten mit einem Mittel abwehren, und z.B. auch Zecken am Stich hindern sowie Flöhe abtöten.

Insbesondere bei Reisen in Endemiegebiete ist eine prophylaktische Behandlung unverzichtbar. Untersuchungen zeigen, dass leider immer noch viele Hunde ungeschützt reisen und sich diese Parasiten als „Urlaubsmitbringsel“ mit nach Hause holen. Weiterhin kommt es nicht selten vor, dass importierte Hunde unerkannt infiziert sind, da die Herz- und Hautwürmer erst etwa 6 Monate nach der Infektion nachgewiesen werden können. Um zu vermeiden, dass solche Hunde als unerkannte Infektionsquelle weiter zur Verbreitung dieser Parasiten beitragen, sollte auch bei diesen Tieren eine prophylaktische Behandlung erfolgen.

 

Ihre Sonja Wolken

Juli 2017


Dr. Sonja Wolken war nach ihrem Studium zunächst als Assistenztierärztin in einer Kleintierpraxis tätig. Ihre Leidenschaft für Parasiten festigte sich während ihrer Doktorarbeit und hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Acht Jahre lang war sie in Forschung und Lehre am Institut für Parasitologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover tätig, zuletzt als Leiterin der Abteilung Diagnostik und Dienstleistungen. Inzwischen widmet sich Frau Dr. Wolken ihrem Spezialgebiet als freiberufliche Beraterin.


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