Infektionen durch Parasiten

Infektionen durch Parasiten

Anaplasmose/Ehrlichiose Borreliose Fadenwurmbefall durch D. repens
FSME Gurkenkernbandwurmbefall Herzwurminfektion
Katzenkratzkrankheit Leishmaniose  

Anaplasmose/Ehrlichiose

Anaplasma phagocytophilum kann nicht nur Hund und Katze sondern auch den Menschen befallen. Die Krankheit wird als humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE) bezeichnet und durch den Zeckenstich des Holzbocks und anderer Schildzecken übertragen. Entsprechend dem Verbreitungsgebiet des Holzbocks tritt HGE auch sehr selten in Deutschland auf. Akute Erkrankungen werden meist in den Sommermonaten beobachtet.

Oft heilt die HGE spontan wieder aus, aber in manchen Fällen wurden auch schwere Komplikationen bis hin zum Tod bekannt. Die häufigsten Symptome einer HGE sind Fieber, Muskelschmerzen, Muskelstarre und eine Verminderung der Bluttplättchen, die für die Blutgerinnung von Bedeutung sind. (Lesen Sie hierzu auch unser Experteninterview mit Dr. Torsten Naucke)

Borreliose

Borreliose ist die häufigste Erkrankung des Menschen, die in Deutschland durch Zecken (meistens durch Stiche des Gemeinen Holzbocks) verursacht wird. Während Experten des Robert-Koch-Institutes (RKI) noch in 2006 von knapp 60.000 bis 100.000 Erkrankungen pro Jahr in Deutschland ausgingen, ergab jüngst eine Analyse von Krankenkassendaten der DAK-Gesundheit aus den Jahren 2007 und 2008, dass in Deutschland jährlich ca. 214.000 Personen an Borreliose erkranken. Das RKI ist zentrale Anlaufstelle für alle meldepflichtigen Infektionskrankheiten und bietet zum Thema Borreliose viele nützliche Informationen an. Die Erkrankung ist in den fünf neuen Bundesländern inklusive Berlin meldepflichtig, in West-Deutschland dagegen nicht.

In etwa der Hälfte der Fälle treten mehrere Stadien mit jeweils typischen Symptomen auf. Eine Ausheilung der Borreliose als Folge einer spontanen Antikörperbildung kann in jedem Stadium erfolgen. Nach dem Eintritt der Bakterien in die Wunde des Zeckenstichs kommt es meistens innerhalb der nächsten 1 bis 4 Wochen zu einer charakteristischen Rötung des umliegenden Gewebes, die sich um den Stich bildet und nach außen wandert („Wanderröte“, Erythema migrans). Nur wenig später wird oft eine Schwellung oder knötchenähnliche Verdickung beobachtet, die eine blaue bis rote Farbe hat und oft eine halbrunde bis kugelige Form besitzt (Borrelien-Lymphozytom). Patienten klagen in dieser Zeit nur selten über konkrete Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Erschöpfung oder Gelenkbeschwerden.

Im zweiten Stadium - nach Wochen, manchmal auch bis zu 4 Monaten - kann es zu Grippe-ähnlichen Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen kommen. Außerdem sind Hirnhautentzündungen und Nervenwurzelentzündungen möglich. Im Körper beginnt jetzt der Kampf des Immunsystems mit den Borrelien-Bakterien. Diese können sich jedoch im Bindegewebe einnisten, so dem Immunsystem entkommen und sich im Laufe der Jahre immer weiter ausbreiten. Im dritten Stadium, der chronischen Phase, treten dann die bekannten Krankheitsanzeichen wie Gelenksentzündungen und -versteifungen sowie neurologische Störungen, etwa in Form von starken Schmerzen, auf. Auch eine Zigarettenpapierartige Hautrückbildung wird beobachtet.

Im dritten und letzten Krankheitsstadium, das nach mehreren Monaten einsetzt, können sich schwere und zum Teil chronische Symptome einstellen, wenn der Infizierte bis zu diesem Zeitpunkt nicht behandelt wurde. Nach einer längeren, meist völlig symptomfreien Zeit, die monate- oder manchmal jahrelang anhält, kann sich das Krankheitsbild vielfältig entwickeln. Die Ausbildung einer chronischen Lyme-Arthritis ist ebenso möglich, wie ein Befall des peripheren Nervensystems (eine sog. „Neuroborreliose“) oder einer entzündlichen Arthrose.

In letzter Zeit häufen sich Berichte über zu spät diagnostizierte Borreliose-Fälle und die schmerzhaften Folgen. Das ist insoweit tragisch, da die Borreliose im frühen Stadium leicht mit Antibiotika behandelt werden kann. Daher sollte man nach einem Zeckenstich die betreffende Stelle genau beobachten und bei Unsicherheit einen Arzt aufsuchen. Allerdings kann dieser in den ersten vier bis sechs Wochen keine Antikörper nachweisen. In der chronischen Phase sind die Erreger nur noch schwer mit Antibiotika zu bekämpfen.

Fadenwurmbefall durch D. repens

Der Mensch ist ein relativ seltener Wirt des Fadenwurms Dirofilaria repens. Wie bei Hunden verbleibt der Fadenwurm in der Regel in den Hautschichten, wo er heranwächst und jahrelang leben kann. Im ausgewachsenen Zustand ist die Erhebung sichtbar und schmerzt beim Drücken.

Der Wurm kann chirurgisch entfernt werden. Alternativ können auch Wurmmittel eingesetzt werden.

FSME

FSME (auch Frühsommer-Meningoenzephalitis oder Frühsommer-Hirnhautentündung) ist ein bekannte und gefährliche Infektionserkrankung des Menschen in Deutschland, die durch Zecken übertragen wird. Mit 546 Fällen im Jahre 2006 ist sie weitaus seltener als die Borreliose. Von den infizierten Personen lebten etwa 53 Prozent in Baden-Württemberg, 36 Prozent in Bayern und 11 Prozent in Hessen. FSME ist meldepflichtig. Informationen zur Fallzahl und zur Verbreitung inklusive der Risikogebiete liefert das Robert-Koch-Institut.

Der Erreger ist das FSME-Virus aus der Gruppe der Flaviviren. Es sitzt in den Speicheldrüsen der Zecken, wie etwa im Holzbock, und gelangt daher bereits zu Beginn des Blutsaugens in den Körper des Wirtes. Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen kommt es bei etwa 40 Prozent aller Infektionen zu hohem Fieber (>39°C), Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer „Sommergrippe“. Bei 10 Prozent aller Infizierten findet darüber hinaus ein bis drei Wochen später ein weiterer Fieberschub statt, zusammen mit starken Kopfschmerzen, und Nackensteifigkeit. In diesem Stadium kann es zu Entzündungen der Hirnhaut, inklusive Schädigungen des entsprechenden Großhirnbereichs oder zu Entzündungen des Rückenmarks kommen. Etwa zehn Prozent aller Patienten mit Entzündungen im Gehirn erleiden bleibende Schäden, ein bis zwei Prozent sterben. Bei Kindern verläuft die Infektion in der Regel relativ mild und nimmt mit zunehmendem Alter an Schwere zu.

Die milden Winter der letzten Jahre und die damit verbundene erhöhte Anzahl an Überträgerzecken ist für viele die Ursache der starken Zunahme der FSME-Fallzahlen. Daneben ist auch die erhöhte Aufmerksamkeit der Ärzte ein Grund, warum jedes Jahr mehr FSME-Fälle entdeckt werden.

Es gibt keine spezifische Therapie zur Bekämpfung des FSME-Virus. Allerdings kann man sich durch eine Impfung, die vor einer möglichen Infektion erfolgen muss, für etwa fünf Jahre immunisieren lassen. Für Einwohner von Risikogebieten, die häufig in Wäldern oder an feuchten Wiesen zu tun haben, ist die Impfung in jedem Fall empfehlenswert.

Gurkenkernbandwurmbefall

Die Larve des Gurkenkernbandwurms gelangt durch das Verschlucken eines infizierten Flohs oder Haarlings in den menschlichen Verdauungstrakt des Menschen und kann sich dort zum ausgewachsenen Wurm entwickeln. Die Symptome entsprechen einer Bandwurminfektion.

Herzwurminfektion

Menschen sind kein geeigneter Wirt für den Herzwurm, aber in Gegenden mit hohen Befallsraten bei Hunden kommt es vor, dass infizierte Mücken Wurmlarven beim Stich übertragen. In einigen Fällen wandern die Larven und entwickeln sich zum ausgewachsenen Wurm. Klinische Krankheitsanzeichen sind selten und treten meist dann auf, wenn die Würmer die Lunge erreichen. Husten und Brustschmerzen sind die Folge. Die Würmer können durch ein geeignetes Wurmmittel entfernt werden. Besteht die Gefahr, dass die toten Parasiten lebenswichtige Blutgefäße verstopfen, kann auch eine chirurgische Behandlung notwendig werden.

Katzenkratzkrankheit

Die Erkrankung wird durch das Bakterium Bartonella henselae ausgelöst, welches die meist symptomlose Bartonellose der Katzen verursacht. Der Erreger wird durch Flöhe übertragen und findet sich oft im Flohkot. Zur direkten Übertragung kommt es, wenn der Flohkot verschluckt wird oder beim Reiben ins Auge gerät. Sind die Krallen der Katze mit Flohkot verunreinigt, kann das Bakterium auch übertragen werden, wenn der Stubentiger einen Menschen kratzt. Gleiches gilt bei Bissen der Katze.

Einige Tage nach der Infektion können geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten auftreten, die über Wochen bestehen bleiben können, bisweilen auch Fieber und grippeartige Symptome. Selten kommt es zu Entzündungen der Herzinnenhaut. Diagnostik und Therapie müssen vom behandelnden Arzt bestimmt werden. Meist heilt die Katzenkratzkrankheit spontan aus, bei Bedarf kann auch eine Therapie mit geeigneten Antibiotika durchgeführt werden.

Leishmaniose

Der Erreger der Leishmaniose des Hundes in Europa, Leishmania infantum, kann durch den Stich einer Sandmücke auch den Menschen befallen und die schwere viszerale Leishmaniose (auch Schwarzfieber oder Kala-Azar, Schwarze Haut, genannt) auslösen. Der Name Schwarzfieber rührt von der zunehmenden Hautpigmentierung her. Die akute Erkrankung äußert sich in einem hohen Fieber, welches morgens und abends auftritt, und im Laufe der Zeit zunehmender Blutarmut, da die Erreger Blutzellen befallen. Daneben gibt es weitere Krankheiten, in denen nahe verwandte Leishmanien-Erreger vor allem die Haut oder die Schleimhäute befallen, die aber ungefährlicher verlaufen. Eine medikamentöse Behandlung ist möglich, aber nicht einfach. Zuletzt gab es Berichte, nach denen neue wirksame Medikamente zurzeit in Studien an Leishmaniose-Patienten ausgetestet werden.

Aufgrund der großen Gefahren für den Menschen hat die Bekämpfung der humanen Leishmaniose eine sehr große Bedeutung für die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die viszerale Leishmaniose kommt vor allem in Indien, Nepal, dem Mittleren Osten und dem Mittelmeerraum sowie in Afrika und Südamerika vor. Jährlich infizieren sich vor allem in den Entwicklungsländern etwa eine halbe Million Menschen mit dieser Tropenkrankheit, die für etwa 70.000 Menschen tödlich endet. Hauptsächlich erkranken HIV-infizierte, Säuglinge und Kinder. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Immunsystem, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass in Regionen Südfrankreichs bis zu 30 Prozent der Bevölkerung schon einmal mit Leishmanien infiziert wurden, aber nicht erkrankten. In Deutschland wurden bislang zwei Leishmaniose-Fälle beobachtet, die sich nicht im Ausland infiziert hatten; allerdings sind die Verläufe noch nicht vollständig geklärt.

In Europa stellt der Hund das wichtigste Erregerreservoir dar: Da die Sandmücken den Erreger Leishmania infantum nicht an ihre Nachkommen weitergeben, sind es in der Regel infizierte Hunde, von denen die Parasiten die Erreger aufnehmen. Eine entsprechende Parasitenprophylaxe beim Hund verringert damit auch das Infektionsrisiko für den Menschen.


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