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Keine Auszeit für die Auwaldzecke

tt_201103 Wann die Zeckensaison 2011 volle Fahrt aufnehmen wird, kann niemand vorhersagen. Sicher aber ist: Von der Zeit mit einer geschlossenen Schneedecke im Dezember abgesehen, war zumindest die Auwald- oder Buntzecke (Dermacentor reticulatus) im letzten Winter fast durchgängig aktiv. Dies haben Zeckensammlungen ergeben, die Wissenschaftler des Instituts für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin seit April 2010 an vier definierten Standorten im Raum Berlin/Brandenburg alle zwei Wochen durchführen. Im Winter haben sie gesammelt, wann immer die Wetterverhältnisse es zuließen.

Die Parasitologen wollen ergründen, unter welchen Bedingungen die Auwaldzecke und der an den ausgewählten Standorten seltenere Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) in welcher Menge vorkommen. Dazu werden die Zecken regelmäßig auf einer bestimmten Fläche mit einer Art Bettlaken von der Vegetation abgestreift (man spricht von „Abflaggen“), anschließend gezählt und bestimmt. Begleitend werden die örtlichen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte erfasst. In einem späteren Projektstadium soll analysiert werden, inwieweit die gefundenen Zecken Krankheitserreger in sich tragen. Denn letztlich soll das Projekt dem Schutz von Mensch und Tier dienen. Die Auwaldzecke kann die Erreger der gefährlichen Babesiose auf Hunde übertragen, der Holzbock als Überträger von FSME-, Borreliose- und weiteren Krankheitserregern fungieren.

Der erste Untersuchungswinter verlief unerwartet spannend. Noch Anfang November wurden rund 100 Zecken pro Stunde gesammelt, Ende November – bei Minustemperaturen – dann nur noch eine einzige. Der Dezember war kalt und schneereich, da entfiel die Zeckenjagd. Doch bereits nach einigen milderen Tagen im Januar und nach Abtauen des meisten Schnees verfingen sich am 12. Januar bei ca. 4 bis 5 Grad Celsius schon wieder rund 50 Auwaldzecken in einer Stunde auf dem Abflaggtuch. Eine knappe Woche später wurden an einem der Untersuchungsstandorte bereits über 180 Zecken gezählt! Und ein erster Holzbock wurde auch erfasst.

Dies zeigt: Die Auwaldzecke ist ziemlich winterfest. Ist sie nicht von Schnee bedeckt und herrschen leichte Plusgrade, kommt sie schnell wieder auf Betriebstemperatur und geht munter auf die Jagd. Der Holzbock ist etwas anspruchsvoller, er bevorzugt Temperaturen im zweistelligen Bereich. Das sind aber nur grobe Richtwerte. Die Wissenschaftler wollen die jahreszeitliche Aktivität der einheimischen Zecken nach Abschluss ihrer Arbeit genauer beschreiben können. Wie Mareen Kohn, projektbetreuende Tierärztin und Doktorandin, sagt: „Sicher ist nicht ein Faktor alleine ausschlaggebend für die Aktivität der Zecken. Es müssen wahrscheinlich bestimmte Temperatur-Feuchtigkeits-Konstellationen herrschen. Inwiefern weitere Faktoren, wie z.B. Windgeschwindigkeit oder Sonneneinstrahlung, eine Rolle spielen, ist hingegen weniger untersucht.“

Für Hundebesitzer heißt das vor allem, immer vor Zecken auf der Hut zu sein und im Zweifelsfall den Zeckenschutz ganzjährig zu praktizieren. Wichtig ist es, ein repellierendes Mittel anzuwenden, das Zecken abschreckt und tötet, damit die Gefahr einer Krankheitsübertragung minimiert wird.


 

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Letzte Änderung: 02. Februar 2012 Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Impressum

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