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Wurmlarven auf Wanderschaft

tt_mai_2010 Dass Magen-Darm-Würmer den Verdauungstrakt des Hundes befallen, verrät schon der Name. Weniger bekannt ist, dass bestimmte Wurmlarven den Darm als Sprungbrett dazu verwenden, eine ausgedehnte Reise durch den Hundekörper zu unternehmen. „Larven des Hundespulwurms Toxocara canis bohren sich durch die Darmwand und nutzen die nächstgelegenen Blutgefäße als Highway, um in die umliegenden Organe zu gelangen“, erklärt Parasitologe Prof. Dr. Thomas Schnieder von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Dort können sie gravierende Schäden anrichten.

Nahezu jeder Vierbeiner infiziert sich in seinem Leben mit dem Hundespulwurm. Meist kommt der Hund bereits mit Spulwürmern zur Welt, weil er während der Trächtigkeit durch das Muttertier infiziert wurde. Dem Welpen droht auch durch die Muttermilch Gefahr. Im späteren Hundeleben werden Wurmeier vor allem durch den Verzehr von Beutetieren sowie durch Lecken und Schnüffeln am Kot anderer Hunde aufgenommen. Werden infektiöse Eier – die das dritte Larvenstadium des Hundspulwurms enthalten – von einem Hund verschluckt, gelangen sie in den Dünndarm. Anders als andere Magen-Darm-Würmer bleiben sie allerdings nicht dort. Sie finden einen Weg in den Blutstrom und lassen sich treiben.

48 bis 72 Stunden nach der Infektion erreichen sie bereits die Leber. Hier können sie starke Entzündungen verursachen und sichtbare Vernarbungen im Gewebe hinterlassen. Der Blutstrom führt die Larven weiter über das Herz in die Lunge – ein für sie entscheidendes Organ. Hier häuten sie sich zum vierten Larvenstadium – das vom Immunsystem nicht mehr erkannt wird – und haben die Chance, hochgehustet und erneut abgeschluckt zu werden. Schaffen sie es auf diese Weise, ein zweites Mal den Darm zu erreichen, vollendet sich dort ihre Entwicklung zum geschlechtsreifen, eierlegenden Wurm.

Der gesamte Wanderungsprozess dauert etwa fünf Wochen. Prof. Schnieder: „Es gibt kaum ein Organ, das während dieser Wanderung nicht betroffen sein kann. Überall kommt es zu Entzündungen aufgrund der letztlich vergeblichen Immunreaktion.“ Durch einen raffinierten Schutzmechanismus gelingt es den Larven nämlich, dem Immunsystem immer wieder zu entkommen. Die Larven maskieren sich mit einer Proteinhülle, die sie mit den angehefteten Entzündungszellen abstreifen kann. Alle Larven, die nicht über die Lunge den Weg zurück in den Darm finden, landen schließlich in der Muskulatur. Dort bildet sich das Reservoir ruhender Larven, das aufgrund des Hormonspiegels während der Trächtigkeit der Hündin reaktiviert wird.

Um nicht nur die ausgewachsenen Würmer im Darm zu bekämpfen, sondern der gefährlichen Larvenwanderung des Spulwurms vorzubeugen, empfiehlt sich die Anwendung eines Parasitenmittels, dass bereits die Larvenstadien bekämpft. Im Allgemeinen wird eine Entwurmung alle drei Monate empfohlen. Bei Hunden, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, wie z.B. Jagdhunde, oder bei Kleinkindern im Haus sollten Tierhalter eine monatliche Wurmkur in Betracht ziehen, um das Gesundheitsrisiko durch einen Wurmbefall für Hund und Mensch möglichst gering zu halten.


 

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