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Zweiter Frühling im Herbst

tt_091090_170x200Nicht jeder Hunde- oder Katzenbesitzer interessiert sich für Biologie oder gar für Parasitologie. Doch ein paar Dinge über Zecke, Floh & Co. sollte man wissen, um seinen Vierbeiner vor den Blutsaugern besser zu schützen. Dazu gehört der Lebenszyklus dieser Blutsauger, da die Entwicklungsstadien unterschiedlich gefährlich für Mensch und Tier sind. Ebenso nützlich ist es, die Aktivitätsphasen im Jahresverlauf zu kennen, um sich rechtzeitig gegen Angriffe wappnen zu können.

Die hiesigen Zecken – vornehmlich der Gemeine Holzbock und die eingewanderte Auwaldzecke – durchlaufen nach dem Schlupf drei Entwicklungsstufen: Larve, Nymphe und erwachsene Zecke. Alle Stadien sind auf Blutmahlzeiten angewiesen. Unter günstigen Umständen vollzieht sich die gesamte Entwicklung vom Ei bis zur geschlechtsreifen Zecke zwischen Frühjahr und Herbst eines Jahres. Was jeder Tierbesitzer und Spaziergänger wissen sollte: Die Hauptaktivitätsphasen des Holzbocks sind März bis Juni und September bis November. Die Aktivitäten der Auwaldzecke beginnen sogar noch früher und enden später, da sie bei niedrigeren Temperaturen (bis 7°C) als der Holzbock aktiv sind. Mit dem Rückgang der Zeckenangriffe im Hochsommer ist die Saison also noch lange nicht vorbei: Zecken erleben im Herbst ihren zweiten Frühling. (Sehen Sie hierzu auch den Jahresverlauf der Parasitenaktivitäten.)

Zu Beginn der Zeckensaison treffen wir vor allem geschlechtsreife ausgewachsene Zecken an, die ihre Entwicklung im Vorjahr nicht abschließen konnten und nach einer Blutmahlzeit für ihre Eiablage suchen. Im späteren Frühjahr und Frühsommer tauchen dann die winzigen Larven und Nymphen auf. Während sich die Larven als Wirte meist kleine Nagetiere suchen, warten Nymphen auf Grashalmen bereits auf größere Opfer, wie Hunde, Katzen oder Füchse, aber auch schon auf den Menschen. Sind in einer feucht-warmen Saison im Herbst bereits die ersten neuen erwachsenen Zecken unterwegs, klettern diese bis in eine Höhe von etwa 1 bis 1,5 Meter auf Büsche oder lange Halme und lauern dort auf ihren Endwirt: zum Beispiel ein Reh, einen Hund oder einen Menschen.

Ausgewachsene Zecken saugen nicht nur das meiste Blut, sondern sind für Mensch und Tier besonders gefährlich. Während nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nur 1 Prozent der Holzbock-Larven den Erreger der Borreliose in sich tragen, sind dies 10 Prozent der Nymphen und 20 Prozent der erwachsenen Zecken. Glücklicherweise sind letztere so groß, dass man sie gut mit bloßem Auge sehen und rasch entfernen kann.

Mit jedem Zeckenstich besteht das Risiko der Übertragung von Krankheitserregern. Vom  Holzbock drohen vor allem Borreliose (Hund und Mensch) und FSME (hauptsächlich Mensch), von der Auwaldzecke die für Hunde lebensgefährliche Babesiose. (Lesen Sie hierzu auch unseren authentischen Babesiose-Fall Nemo.) Zeckenstiche sollten deshalb durch Anwendung eines repellierenden und abtötenden Zeckenmittels möglichst von vornherein vermieden werden. Tierärzte empfehlen die monatliche Anwendung über die gesamte Aktivitätszeit der Blutsauger, also mindestens von März bis November, in Auwaldzeckengebieten und in besonders milden Wintern praktisch das ganze Jahr über.

Da die abnehmenden Temperaturen im Herbst auch den Flöhen meist einen kräftigen Aktivitätsschub versetzen und sie vermehrt in die warmen Häuser treiben, sollten diese nach Möglichkeit gleich mit bekämpft werden. Für Hunde gibt es beim Tierarzt entsprechende Kombipräparate. Bei Katzen kann der Schwerpunkt auf die Flohbekämpfung gelegt werden. 


 

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