
„Reißen Sie das Unkraut mit der Wurzel raus!“
Wie häufig im Jahr sollten Hunde und Katzen entwurmt werden? „Es kommt auf die Risikotoleranz des Besitzers an“, sagte Prof. Dr. Thomas Schnieder von der Tierärztlichen Hochschule Hannover jüngst beim diesjährigen Kleintierkongress in Baden-Baden. „Bei Nulltoleranz müsste es eigentlich monatlich geschehen“. Damit meinte er vor allem Familien mit kleinen Kindern und großer Angst, dass diese Wurmeier vom Vierbeiner aufnehmen könnten. Die infektiösen Eier bleiben nach dem Ausscheiden mit dem Kot oft im Fell des Tieres hängen und können beim Kuscheln tatsächlich an die Finger des Kindes gelangen – und damit letzten Endes auch in deren Magen-Darmtrakt. In den Niederlanden wird von den Behörden eine solche Nulltoleranz bei der Haustierentwurmung propagiert.
Ein anderer Weg, sich einer Antwort zu nähern, ist der Lebenszyklus des Wurmes. Häufigster Wurm des Hundes und leider auch gefährlich für den Menschen ist der Hundespulwurm (Toxocara canis). Mikroskopisch klein sind die Eier, von denen ein Weibchen bis zu 80.000 am Tag abgeben kann. Sie sind sehr widerstandsfähig und können im Boden selbst harte Winter überdauern. Hunde können sie fast überall aufnehmen. So wurden in vielen europäischen Großstädten teilweise hohe Konzentrationen an Spulwurmeiern in öffentlichen Sandkästen entdeckt. Aus den Eiern entwickeln sich etwa einen Millimeter große Larven, die durch Verschlucken in den Hundekörper gelangen können und anschließend wochenlang in dessen Körper umherwandern. Prof. Schnieder: „Sie durchdringen die Darmwand und werden mit dem Blutstrom im Körper verteilt. Dabei gelangen sie zwangsläufig zunächst in die Leber und dann über das Herz in die Lunge.“ Bei jungen, sehr alten und immunschwachen Tieren können diese Larven erhebliche Schäden in Leber, Nieren und Lunge anrichten, bevor sie den Darm erreichen. Der komplette Entwicklungszyklus von der verschluckten Larve bis zum reifen Wurm im Darm dauert rund fünf Wochen.
Die meisten Entwurmungsmittel töten nur erwachsene Würmer im Darm ab. Larvenstadien, die kurz vor der Vollendung ihrer Entwicklung stehen, können innerhalb weniger Tage wieder deren Stelle einnehmen und infektiöse Eier ausscheiden. Durch Anwendung eines Entwurmungsmittels, das auch die im Hundekörper umher wandernden Larvenstadien bekämpft, lässt sich eine nachhaltigere Wirkung erreichen. „Das ist wie bei der Unkrautbekämpfung: Fahren Sie nur mit dem Rasenmäher darüber, wächst es sehr schnell wieder nach. Reißen Sie es mit der Wurzel aus, haben Sie etwas länger Ruhe“. So erläuterte Dr. Markus Edingloh, Leiter des Wissenschaftlichen Marketings bei Bayer Vital Tiergesundheit, den Unterschied. Die Bekämpfung der Wanderlarven verringert zudem deren zerstörerische Wirkung in den Organen des Hundes.
Die monatliche Entwurmung mit einem auch Larven abtötenden Entwurmungsmittel bietet demnach die bestmögliche Sicherheit vor dem Hundespulwurm. Sie wird von Experten unter anderem bei besonders gefährdeten Tieren wie Jagdhunden empfohlen. Für alle übrigen Hunde- und Katzenbesitzer gilt: Eine Entwurmung alle drei Monate bietet eine akzeptable Sicherheit vor Würmern - sofern das Entwurmungsmittel gegen alle relevanten Rund- und Bandwürmer wirkt und auch die Wanderlarven des Spulwurms bekämpft.
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