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Lautloser Angreifer in der Sommernacht

tt_080708 Sie ist nur zwei bis drei Millimeter groß, nähert sich ihren Opfern lautlos während Dämmerung und Nacht und verursacht einen schmerzhaften Stich. Die Rede ist von der Sandmücke, einem gefürchteten Insekt des Mittelmeerraums. Doch die kleine Stechmückenart ist nicht mehr nur ein Problem für Einheimische und Südeuropa-Urlauber. Seitdem hierzulande vor fast 10 Jahren die ersten Sandmücken entdeckt wurden, werden in den wärmeren Regionen Deutschlands immer wieder neue Populationen gefunden.

Dr. Torsten Naucke von der Universität Hohenheim, Entdecker der ersten Arten in Deutschland, hat eine aktuelle Verbreitungskarte der Parasiten erstellt. „Sandmücken haben wir bislang überall da gefunden, wo die jährliche Durchschnittstemperatur mehr als 10°C beträgt, also einem mediterranen Klima entspricht. Das Zeitfenster der Sandmücken-Aktivität liegt in Deutschland zwischen Juni und August“, so der Parasitenexperte. Fast immer wurden Sandmücken in Ortschaften gefunden. Dr. Naucke: „Das häufigste Biotop waren alte Scheunen, vor allem mit nicht betoniertem Boden. Als Faustregel gilt, dass bei Temperaturen von mehr als 15°C in der Nacht Sandmückenweibchen auf die Suche nach Blut gehen“.

Mag der Stich für Mensch und Tier zunächst nur lästig erscheinen, so droht die eigentliche Gefahr in der Übertragung von Infektionserregern. Sogenannte Leishmanien befallen die Immunzellen von Säugetieren und verursachen die Leishmaniose, die schwerste Hundeinfektion in Südeuropa. In Ländern wie Italien und Spanien sind örtlich bis zu 68 Prozent der Hunde einer Region infiziert. Die Krankheit kann unbehandelt tödlich verlaufen, und oftmals gelingt keine vollständige Beseitigung der Erreger. Die Infektion wird dann chronisch. Auch Kinder und immunschwache Erwachsene (wie etwa HIV-Infizierte) können erkranken. Allerdings ist der wichtigste Überträger, die Sandmückenart Phlebotomus perniciosus, bislang erst einmal in Rheinland-Pfalz gefunden worden, während von der vorherrschenden Art in Deutschland, Phlebotomus mascittii, noch keine Übertragung der Leishmaniose-Erreger nachgewiesen worden ist.

Auch Dr. Naucke sieht das Risiko einer Leishmaniose-Infektion in Deutschland bislang als sehr gering ein. „Allerdings sollten Tierhalter sich des Leishmaniose-Problems bewusst sein, die mit ihrem Hund in so genannte Risikoländer reisen oder einen aus diesen Ländern importierten Hund aufnehmen wollen.“ Er schätzt die Zahl Leishmaniose-infizierter Hunde in Deutschland auf etwa 10.000 bis 20.000 Tiere. Für Dr. Naucke ist die Vorbeugung eines Mückenstichs die beste Maßnahme zum Schutz der Hunde: „Wesentlich für die Vorbeugung sind Repellentien. Das sind Mittel, die Sandmücken abwehren, bevor es zum Stich kommt. Ihre Wirksamkeit wurde zuletzt auch in einem italienischen Feldversuch belegt.“ In dieser Studie der Bayer Animal Health GmbH wurden durch die Behandlung mit einem Spot-on-Mittel Schutzraten gegen Leishmaniose zwischen 89 und 100 Prozent erzielt. Das Mittel wirkt außer gegen Sandmücken auch gegen Zecken, Flöhe, andere Stechmücken und Stechfliegen.


 

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Letzte Änderung: 12. Januar 2012 Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Impressum

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