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Gefährliche Frühlingsboten

tt_pitopia_109844 8°C – das ist die Temperatur, ab der Zecken hierzulande auf die Suche nach warmblütigen Opfern gehen. Da die vergangenen Tage bereits ungewöhnlich warm waren, werden die Parasiten nicht erst zum Osterspaziergang wieder Herrchen und Hund ins Visier nehmen. Als wären die einheimischen Zecken noch nicht Plage genug, beobachten Wissenschaftler seit einigen Jahren immer öfter einen besonders gefährlichen Neuankömmling in Deutschland: die Auwaldzecke.

In einigen Regionen Deutschlands haben sich die Zecken bereits vor Wochen bemerkbar gemacht. So beobachtete Monika Binder, Chefredakteurin der Zeitschrift „Das deutsche Hundemagazin“, im südlichen Rheinland-Pfalz bereits Mitte Januar Auwaldzecken (Dermacentor reticulatus) an ihren Hunden: „Vor allem in naturbelassenen Wiesen lauern die Parasiten.“

Die auffälligen Auwaldzecken (auch Buntzecken genannt) stammen ursprünglich aus Frankreich und Osteuropa. In den letzten 30 Jahren haben sie sich von kleinen Vorkommen in Baden-Württemberg und entlang von Rhein und Elbe ausgebreitet (siehe Verbreitungskarte). Die braunen Zecken tragen einen silbrig-marmorierten Rückenpanzer und sind mit 5 Millimetern (nüchtern) bzw. 15 Millimetern Körperlänge (nach einer Blutmahlzeit) deutlich größer als der bekannte Holzbock. Im Unterschied zu den einheimischen Zecken können sich Auwaldzecken auch auf ihre Beute zu bewegen.

Im Schlepptau der neuen Art steigt die Gefahr für die lebensbedrohliche Infektionskrankheit Babesiose, die auch als „Hundemalaria“ bezeichnet wird, allerdings nichts mit der menschlichen Malaria zu tun hat. Die einzelligen Krankheitserreger gelangen beim Saugvorgang der Auwaldzecke in die Blutbahn des Hundes. Sie nisten sich in den roten Blutkörperchen ein und vermehren sich dort. Nach ein bis vier Wochen, wenn das Immunsystem die Eindringlinge entdeckt hat, bekommt der Hund plötzlich hohes Fieber. Die fortwährende Zerstörung der roten Blutkörperchen schwächt die Abwehrkräfte des Hundes, verursacht Blutarmut, Gelbsucht und Organversagen. Unbehandelt führt die Krankheit meist zum Tod. Antibiotika sind wirkungslos, und das einzig wirksame Chemotherapeutikum muss importiert werden, da es in Deutschland nicht zugelassen ist.

Der Parasitologe Dr. Torsten Naucke von der Universität Hohenheim erforscht seit Jahren die Ausbreitung der Babesiose in Deutschland: „Wir wissen, dass sich mittlerweile jährlich mehrere Hundert Hunde infizieren.“ In Frankreich hat die Infektionskrankheit fast das gesamte Land erobert. Schätzungen zufolge erkranken dort jährlich 150.000 Hunde neu.

Um das Risiko einer Erkrankung zu minimieren, empfiehlt Dr. Naucke, die Zecke am Stechen zu hindern, so dass es erst gar nicht zu einer Übertragung der Krankheitserreger kommen kann. Allerdings spricht er Hausmitteln wie Knoblauch, die durch ihren Geruch Parasiten abwehren (repellieren) sollen, jegliche Wirkung ab: „Wissenschaftlich lässt sich bei solchen Mitteln kein Effekt nachweisen.“ Stattdessen rät er zur Anwendung von wirksamen Parasitenmitteln vom Tierarzt: „Am sichersten sind monatlich anzuwendende Präparate zum Auftropfen (Spot-on Präparate), die Zecken inklusive der Auwaldzecke und andere Blutsauger wie Mücken oder den Wadenstecher repellieren und töten. Die abgewehrten Blutsauger können so nicht wieder angreifen.“

Sobald sich milde Temperaturen ankündigen, sollten Hundehalter daher an den Gang zum Tierarzt denken, um sich über den geeigneten Parasitenschutz zu informieren.


 

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Letzte Änderung: 12. Januar 2012 Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Impressum

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